Informationen zum Krankheitsbild

 

Depression hat viele Gesichter.

Eine Depression umfasst sowohl körperliche Veränderungen als auch Veränderungen des Verhaltens und Erlebens. Im Vordergrund der Beschwerden steht meist ein Gefühl der Freudlosigkeit, der Erkrankte fühlt sich niedergeschlagen und mutlos. Es kann aber auch die Unfähigkeit vorliegen, überhaupt noch Gefühle empfinden zu können („Ich bin wie versteinert“). Permanente Selbstkritik bis hin zu Selbsttötungsgedanken kommen häufig hinzu. Vielen Erkrankten fällt es sehr schwer, sich auf etwas zu konzentrieren. Ihre Arbeit strengt sie übermäßig an, sie fühlen sich von Aufgaben überfordert, die sie früher ohne Probleme erledigt haben. Oftmals „kreisen“ die Gedanken so sehr, dass es ihnen schwerfällt, sich von einigen wenigen Überlegungen zu lösen, über die sie immer wieder nachgrübeln müssen (Grübelzwang). Die Betroffenen vermeiden soziale Kontakte, stellen Hobbys ein, können ihre Arbeit nicht mehr bewältigen und ziehen sich zurück. Umgekehrt kann es auch zu einem unnatürlich gesteigerten Antrieb kommen. Die Menschen verhalten sich „wie unter Strom“. Sie sind innerlich unruhig und angespannt, nervös, fühlen sich ziel- und rastlos umhergetrieben.
Eine Depression wird auch häufig von Ängsten begleitet. Dabei können die auftretenden Ängste eher unbestimmt sein, das heißt, der Betroffene verspürt ein Gefühl der dauernden Sorge, ohne genau zu wissen, wovor er Angst hat. Die Angst kann sich aber auch auf bestimmte Dinge beziehen. So fürchten sich manche Erkrankte davor, unheilbar krank zu sein, ohne dass es einen wirklichen Anlass dazu gäbe. Andere befinden sich in ständiger Sorge, dass ihren Angehörigen etwas zustoßen könnte. Manchmal kommt es auch zu Angstattacken, bei denen sich die Angst in starken körperlichen Anzeichen ausdrückt. Der Betroffene leidet dann zum Beispiel unter Atemnot, Herzrasen oder Schwindel. Diese körperlichen Symptome können die Angst bis zur Todesangst steigern.
Bei vielen Erkrankten kommt es während einer Depression zu Schlafstörungen. Sie wachen oft auf oder können erst gar nicht einschlafen. Andere leiden unter einem stark erhöhten Schlafbedürfnis. So schlafen einige Depressive wesentlich länger als sonst und fühlen sich trotzdem nicht erholt. Die meisten liegen trotz Müdigkeit lange wach oder wachen schon in den frühesten Morgenstunden von selbst auf. Depressionen können sich auch in körperlichen Anzeichen und oft auch Schmerzen äußern. Dabei können die unterschiedlichsten Körperteile und Organe betroffen sein: Manche haben ganz isoliert Schmerzen im Rücken- und Schulterbereich oder Kopfschmerzen. Oder es kommt zu Störungen im Magen-Darm-Bereich oder zu Überempfindlichkeiten der Haut. Andere klagen über Herzschmerzen oder über ein Gefühl der Enge in der Brust. Nicht selten sind die körperlichen Krankheitszeichen derart hervorstechend, dass sie die wahre Ursache – die Depression – verdecken. Diese Maskierung der Depression macht es den Ärzten oft schwer, die Erkrankung frühzeitig zu diagnostizieren und gezielte Gegenmaßnahmen einzuleiten. Hinzu kommt, dass es viele Menschen noch immer als „Makel“ empfinden, „psychisch krank“ zu sein, weshalb ihnen die ärztliche Diagnose „Migräne“ lieber ist als die Diagnose „Depression“.

Insgesamt machen also die vielfältigen Symptome die Depression zu einem nicht immer leicht zu erkennenden Krankheitsbild. Grundsätzlich gilt hier: Eine „Verdachtsdiagnose“ Depression, die sich im weiteren Verlauf als Irrtum herausstellt, ist für die Betroffenen weniger belastend als eine lange verkannte und unbehandelt bleibende Depression.

Depression ist behandelbar.

Dank medikamentöser Therapie und psychotherapeutischer Verfahren stehen hochwirksame Behandlungsmethoden zur Verfügung. Leider kommen sie jedoch zu selten zum Einsatz, weil Depressionen noch immer häufig übersehen werden. Nur etwa 10% der betroffenen Patienten erhalten eine langfristig adäquate Behandlung.
Aus der Forschung wissen wir, dass bei einer Depression Störungen im Stoffwechsel des Gehirns – manchmal auch ganz unabhängig von konkreten Auslösern – auftreten. Vereinfacht erklärt, positive Gefühlssignale werden vermindert und negative durch die Stoffwechselstörungen verstärkt. Genau hier setzen antidepressive Medikamente an und tragen dazu bei, den veränderten Stoffwechsel auszugleichen. Die depressiven Symptome lassen nach. Um einen Rückfall zu vermeiden, ist meist eine regelmäßige und oft Monate dauernde medikamentöse Therapie notwendig. Übrigens machen Antidepressiva nicht abhängig, sie verändern auch nicht die Persönlichkeit. In einer Psychotherapie, die sich insbesondere bei leichten bis mittelschweren Depressionen bewährt hat, erwirbt der Betroffene Strategien, um anders mit seinen Problemen oder mit Stress umzugehen.
Bei einer Depression spielen sowohl körperliche als auch seelische Faktoren eine Rolle. Eine sinnvolle Therapie gewichtet diese Faktoren individuell und stellt die Behandlungsformen auf den jeweiligen Schwerpunkt des Einzelfalls ab. Eine pauschale Behandlungsform, die bei allen Erkrankten gleich gut hilft, gibt es nicht.

Was können Angehörige und Freunde tun?

Wie man jemandem helfen kann, der an einer Depression erkrankt ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Die Familie und der Freundeskreis eines Erkrankten stehen oft vor einer schwierigen Situation: Das Erscheinungsbild einer psychiatrischen Erkrankung ist vielen Menschen unbekannt und löst – besonders wenn sie schwer ist – Unsicherheit oder sogar Ablehnung aus. Beteiligen Sie sich daher an der Aufklärung über die Erkrankung, sprechen Sie mit Freunden und Bekannten über das Thema Depression! Vielleicht geben Sie ihnen auch einfach eine unserer Informationsschriften aus dem Download-Bereich. Zeigen Sie Verständnis für die Situation des Erkrankten. Versuchen Sie nicht, dem Betroffenen klarzumachen, dass sein Leben doch gar nicht so schlimm sei oder dass es andere Menschen gäbe, denen es doch schlechter ginge. Solche – oft gut gemeinten – Aufmunterungsversuche bestärken in einem Depressiven nur das Gefühl, versagt zu haben und sein Leben nicht meistern zu können.